17. April – 16. Mai 2026

In der Serie „Poetics of Childhood“ schafft Helena Tahir vielschichtige, immersive Bilder, die sich dem Betrachter nach und nach offenbaren. Fragmente gefundener Bilder, Kinder, Innenräume sowie Bilder aus Zeitschriften und Büchern fügen sich zu dichten Kompositionen zusammen.

Was zunächst dunkel erscheint, öffnet sich allmählich, sodass Details sichtbar werden. Anstatt eine nostalgische Kindheit darzustellen, nähern sich ihre Werke dieser als einem fließenden Zustand, der von Erinnerung, Vorstellungskraft und Fragmentierung geprägt ist.

Die 2020 entstandenen Arbeiten sind vorwiegend großformatige Linolschnitte, von denen einige bis zu zwei Meter groß sind. Die Künstlerin hat sie von Hand auf Filz gedruckt, ein Material, das den Bildern eine weiche, fast samtige Oberfläche und eine charakteristische, verschwommene Tiefe verleiht. Diese ungewöhnliche Technik ist nicht nur eine Reaktion auf technische Einschränkungen, sondern eine bewusste künstlerische Entscheidung, die den Prozess, die Haptik und den physischen Akt des Schaffens in den Vordergrund stellt.

Weiterführende Informationen

Über die Ausstellung

Die Serie Poetics of Childhood von Helena Tahir entfaltet sich als dichte und immersive Reflexion über Erinnerung, Imagination und den fragilen Raum zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Die 2020 entstandenen Arbeiten sind überwiegend großformatige Linolschnitte, teils bis zu zwei Meter groß, die von Hand auf Filz gedruckt werden. Dieses Material verleiht den Bildern eine weiche, fast samtige Oberfläche und eine charakteristische Unschärfe. Die ungewöhnliche Technik ist dabei nicht nur eine Reaktion auf technische Bedingungen, sondern eine bewusste künstlerische Entscheidung, die Prozess, Materialität und körperliche Arbeit in den Mittelpunkt stellt.

Visuell sind die Drucke von Figuren, Objekten und Fragmenten durchzogen, häufig Kinder, Innenräume und gefundenes Bildmaterial. die sich zu komplexen, collageartigen Kompositionen verdichten. Anstatt Kindheit nostalgisch abzubilden, entwirft Tahir sie als vielschichtiges, instabiles Geflecht von Assoziationen. Motive aus Zeitschriften, Büchern und persönlichen Referenzen verbinden sich zu fiktiven Konstellationen, in denen Erinnerung fragmentiert, neu zusammengesetzt und fortwährend in Bewegung erscheint.

Trotz ihrer dunklen und dichten Bildräume leben die Arbeiten von einem subtilen Spiel aus Licht und Schatten. Was zunächst verschlossen wirkt, öffnet sich bei näherem Hinsehen: Details treten hervor, Zusammenhänge werden sichtbar, verborgene Erzählungen entfalten sich. Diese Spannung zwischen Verbergen und Offenlegen spiegelt die Funktionsweise von Erinnerung selbst: bruchstückhaft, selektiv und im Wandel.

Im Zentrum von Poetics of Childhood steht Tahirs präzise und arbeitsintensive Herangehensweise. Jede Linie ist geschnitten, jede Form bewusst gesetzt, wodurch Bilder entstehen, die eine langsame und konzentrierte Betrachtung einfordern. Die Werke entziehen sich einer unmittelbaren Lesbarkeit und laden stattdessen zu einer visuellen Suche ein. Dies geschieht durch Überlagerungen, Bedeutungen und die Nachklänge erinnerter wie imaginierter Welten.

So wird Poetics of Childhood weniger als Thema denn als Zustand erfahrbar: ein offener Raum, in dem Bilder, Emotionen und Geschichten in ständiger Bewegung bleiben.

Über Helena Tahir

Im Zentrum der Praxis von Helena Tahir steht eine außergewöhnliche Hingabe an den Prozess. Ihre großformatigen Linolschnitte und präzisen Zeichnungen entstehen in intensiver körperlicher Arbeit und zeichnerischer Genauigkeit. Oft ohne Presse, von Hand mit einem Löffel gedruckt, verwandelt sie technische Einschränkungen in eine bewusste künstlerische Strategie. Das Material wird dabei zum aktiven Mitspieler: geschnitten, erprobt und weiterentwickelt, wird die Druckplatte zugleich Werkzeug und eigenständiges Werk.

Tahir’s Bildwelten sind dicht und immersiv, randvoll mit Figuren, Objekten und Fragmenten aus gefundenem Bildmaterial: alten Magazinen, Büchern und persönlichen Archiven. Daraus entstehen fiktionale, beinahe traumartige Konstellationen, die zwischen Klarheit und Ambivalenz oszillieren. Was zunächst dunkel und gesättigt erscheint, offenbart bei näherem Hinsehen eine subtile Leuchtkraft, in der selbst kleinste Details Bedeutung verschieben.

Parallel zur Druckgrafik besitzen ihre Farbstiftzeichnungen eine stark persönliche Dimension. Sie greifen häufig Erinnerungen an ihre Kindheit in Jesenice auf und zeigen urbane, industrielle Landschaften aus intimen Innenperspektiven, etwa durch Fenster gerahmt, als Blick auf eine von Nostalgie geprägte Welt. In neueren Arbeiten treten Figuren in veränderte kulturelle Kontexte, wodurch eine hybride Bildsprache entsteht, in der Fragen von Zugehörigkeit und kultureller Prägung verhandelt werden.

In einer von Bildern überfluteten Gegenwart verweigert sich Tahirs Arbeit der schnellen Lesbarkeit. Sie fordert dazu auf, innezuhalten, genauer hinzusehen und Komplexität auszuhalten. Ihre Werke entfalten sich als vielschichtige visuelle Essays, fragmentarisch, zeitlos und offen, in denen Bedeutung stets im Spannungsfeld zwischen Bild, Material und Betrachtenden neu entsteht.

Für weitere Informationen oder Fotos stehen wir gerne zur Verfügung!